Rückblick Starkregenereignisse 2010,2013,2016

Alle Starkregenereignisse, die in der Gemeinde Grafschaft verheerende Schäden anrichteten, fanden in Folge von lokal auftretenden Gewitterzellen bei relativ warmen Temperaturen zwischen 20 bis 30°C in den frühen Sommermonaten statt. Zum Teil war der Boden aufgrund vorangegangener Regenereignisse schon so mit Wasser vollgesogen, dass die auftretenden Regenmassen nicht mehr aufgenommen werden konnten oder durch vorangegangene starke Trockenheit die Bodenoberfläche so stark verkrustet war, dass die auftretenden Regenmassen oberflächig abflossen.

Vor 2010

Vor dem Starkregenereignis 2010 waren Hochwasserereignisse durch Starkregen im Gebiet der Gemeinde Grafschaft in dieser Größenordnung
nicht unbekannt. 1972 wurde in der Grafschaft auch ein Starkregenereignis dokumentiert.

Dennoch ist festzustellen, dass die Ereignisse in immer kürzeren Intervallen stattfinden und dabei immer höhere Niederschlagswerte ausweisen.
Seit der Gründung der Gemeinde Grafschaft 1974 sind an vielen Stellen weitere Bebauungen entstanden. Durch die zunehmende Versiegelung
der Flächen und die grundsätzliche Steigerung der Vermögenswerte in den Haushalten der Bürger ergibt sich bei einem Starkregenereignis
auch eine größere Schadenssumme.

2010

Das erste durch Starkregen ausgelöste große Hochwasser ereignete sich am Samstag, dem 3. Juli 2010. Die meisten Niederschläge fielen
zwischen 12.00 Uhr und 14.00 Uhr. Die Ausdehnung der Gewitterzelle war groß, sie reichte von Bad Neuenahr bis nach Königswinter.
Die Niederschlagsverteilung innerhalb dieser Zelle war relativ gleichmäßig. Am höchsten waren die Niederschläge in der nördlichen Grafschaft
sowie in weiten Teilen Wachtbergs. Hier wurden Niederschlagsmengen von knapp über 100 Litern gemessen.
An der Station Leimersdorf/Nierendorf wurden zwischen 13.00 Uhr und 14.00 Uhr 70 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gemessen, im Gesamtzeitraum von 12.00 bis 16.00 Uhr 103 l/qm.
An der Station Esch wurden zwischen 14.00 Uhr und 16.00 Uhr knapp 50l/qm gemessen. Die Temperatur sank innerhalb einer Stunde um 10°C,
während des gesamten Ereignisses insgesamt sogar von 32°C auf 18°C.

Die Witterung war in den vorangegangenen Tagen sehr trocken gewesen. Während des gesamten Junis waren nur 29 mm Niederschlag, in
den zwei Wochen vor dem Starkregen gar kein Niederschlag mehr gefallen, sodass der Boden zum Starkregenzeitpunkt sehr trocken war. Die
Wasseraufnahmekapazität des Bodens war demnach hoch.

Die Schäden dieses Ereignisses waren sehr groß, es kam in der gesamten Gemeinde Grafschaft sowie auch in zahlreichen angrenzenden Städten
und Gemeinden, zu zahlreichen Schäden. Dieses Starkregenereignis wurde zumindest an einigen Orten von schweren Sturmböen begleitet, welche zusätzlich erhebliche Schäden verursachten. Ob es sich dabei um sogenannte Gewitterfallböen handelte, ist unklar.

 2013

Das zweite Starkregenereignis ereignete sich am Donnerstag dem 20.06.2013. Der Niederschlagsschwerpunkt lag dieses Mal am Vormittag zwischen 10 und 12 Uhr. In diesem Zeitraum vielen an der Station Leimersdorf 62 l/qm. Die Ausdehnung dieser Gewitterzelle war nochmals deutlich größer als dies 2010 der Fall war. Sie erstreckte sich von Kempenich bis nach Wachtberg hinein und von Ahrbrück bis Heimersheim. Auch wenn die Ausdehnung dieser Gewitterzelle sehr hoch war, so lagen die Niederschläge bei maximal 70 Litern pro Quadratmeter und überwiegend im Bereich zwischen 50 und 70 Litern pro Quadratmeter. An der Wetterstation Esch wurden i dieses Mal „nur“ 35 l/qm gemessen. Insgesamt lag die Gemeinde Grafschaft bei diesem Ereignis eher am nordöstlichen Rand des Ereignisses. Die Lufttemperatur sank während des Ereignisses kaum, sie betrug allerdings auch nur 21 °C. Der vorangegangene Tag war sehr heiß, und auch die Nacht war mit Temperaturen von durchgehend über 20°C sehr heiß (Tropennacht), so dass dieses Ereignis auf eine sehr warme Wetterlage folgte.

Die vorangegangene Niederschlagsmenge war mäßig hoch, so dass die Wasseraufnahmekapazität des Bodens sich in einem mittleren Bereich befand.

Die Schäden dieses Starkregenereignisses vielen aufgrund der geringeren Niederschläge deutlich kleiner aus als 2010. Der Schadensbereich hingegen war bedingt durch die Größe der Gewitterzelle sehr groß, so waren weite Teile des Kreis Ahrweiler betroffen, wie auch erneut die Gemeinde Grafschaft, sowie die Nachbargemeinde Wachtberg. Durch das fertiggestellte Rückhaltebecken vor Gimmigen, konnten die Schäden innerhalb des Stadtgebietes Bad Neuenahr deutlich verringert werden. Das Rückhaltebecken Nierendorf war bereits fest geplant aber noch nicht im Bau, daher konnten Schäden in der Ortslage Nierendorf nicht verhindert werden.

2016

Das dritte große Starkregenereignis innerhalb der Gemeinde Grafschaft ereignete sich am Samstag den 04.06.2016 zwischen 13 und 15 Uhr. Die Ausdehnung dieser Gewitterzelle war sehr viel geringer als dies bei den beiden anderen Ereignissen der Fall war. Der Anteil der Gewitterzelle, welcher hohe Niederschläge erzeugte war mit einem Durchmesser von knapp 10 Kilometern sehr gering. Das Zentrum der Gewitterzelle befand sich zwischen den beiden Gemeinden Grafschaft und Wachtberg, nördlich von Oeverich. Die Niederschlagsmenge zwischen 13 und 15 Uhr betrug bis zu 115 Liter pro Quadratmeter. Da die Wetterstation Leimersdorf sich bereits am Rand dieser Zelle befand, wurden dort auch „nur“ Niederschläge von 50 mm/qm gemessen. An der Station Esch wurden sogar nur 17 mm Niederschlag registriert. Private Messungen aus Oeverich hingegen bestätigen die laut Radarmessung ermittelten 115 mm Niederschlag. Die Lufttemperatur war während dieses Ereignisses mit knapp 22°C moderat und auch in den vorherigen Tagen war die Lufttemperatur nicht höher. Während des Starkregenereignisses sank die Temperatur um etwa 5°C ab.

Das Starkregenereignis an sich kann als Teil einer sehr Gewitterträchtigen Großwetterlage bezeichnet werden, welche im Mai und Juni über mehrere Wochen vor allem in Südwestdeutschland immer wieder teilweise sehr niederschlagsreiche Gewitter erzeugte, wie z.B. auch das Starkregenereignis von Braunsbach am 29.05.2017.

Die dem Starkregenereignis vorangegangene Witterung war daher sehr ungünstig denn es kam in Folge der Großwetterlage in den Tagen und Wochen vor dem Starkregen zu mehreren teilweise sehr ergiebigen Niederschlagsereignissen, von über 30 mm Niederschlag. Bereits in der Woche vor dem Starkregenereignis vielen in Leimersdorf über 90mm Niederschlag. Diese hohen Niederschläge, welche für eine nahezu vollständige Sättigung des Bodens gesorgt haben, sind ein entscheidender Grund dafür, dass so enorme Pegelstände registriert wurden und das Starkregenereignis 2016 so verheerend ausfiel. Im Gegensatz zum Starkregenereignis von 2010 war es während des Ereignisses 2016 komplett windstill, sowohl am Boden, als auch in hohen Luftschichten. Dies führte dazu, dass die Gewitterzelle sehr Ortsstabil war, wodurch diese sehr hohen aber lokal eng begrenzten Niederschläge erreicht wurden.